Jahresbericht 2018

Die Aktivitäten FÜR die Gruppe und MIT der Gruppe gestalteten sich in 2018 recht vielseitig, wie die folgenden Kurzberichte zeigen:

Gesprächsabende:
„Die Gruppe lebt“ – „jeder Gruppenbesuch ist wie aufatmen“ – „wenn ich mal nicht in die Gruppe kommen kann, fehlt sie mir“ – „bei Euch fühle ich mich wohl“ – „die Gruppe gibt mir Zuversicht“…..
Das sind einige Aussagen unserer Gruppenbesucher, die uns im Jahr 2018 gezeigt haben, dass wir `auf dem richtigen Weg´, nämlich auf dem `Freundeskreis-Weg´ vorwärts marschieren. Erfreut sind wir auch über den Zuwachs in unserer bisher recht überschaubaren Gruppe: etliche Neukontakte und insbesondere neue `Stammgäste´, von denen sich auch einige sehr rasch zu einer ordentlichen Mitgliedschaft entschlossen. Bemerkenswert dabei ist, dass wir mit unseren regelmäßigen Besuchern (nur 3 Männer) weiterhin `frauenlastig´ dastehen. Auch 3 Angehörige erscheinen regelmäßig.
In diesem Jahr kontaktierten uns vorwiegend Menschen mit Alkoholproblemen, die auf dem besten Weg zur Abstinenz waren oder bereits erfolgreich und zufrieden ohne ihr Suchtmittel leben. Aber auch Rückfälle in das frühere Missbrauchs-/ Suchtverhalten waren für uns Situationen, in denen wir unser ganzes Engagement entfalteten und Beistand  leisteten, um die Betroffenen rasch, aber sanft, bzw. einfühlsam wieder auf den `richtigen Weg´ zu begleiten. Jeder Rückfall – zwar typisch für eine Suchterkrankung – bedeutet doch für den/ die Betroffenen einen tiefen Rückschlag für das eigene Leben und v.a. für sein gesamtes Umfeld. Gerade da können die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe viel dazu beitragen, dass der/ die Betroffene seine Selbstachtung zurück findet, seine Schuldzu-weisungen abbaut und wieder konsequent und kontinuierlich positiv nach vorne schaut.
Die Gruppentreffen jeden Dienstag  Abend (außer an kirchlichen Feiertagen) gestalteten sich ansonsten  z. T. recht abwechslungsreich. Neben den vordringlich akuten Problemen kamen auch Erlebnisse  zur Sprache, die in suchtbelasteten Familien bessere Stimmung und Lebensbejahung fördern können. Das Thema Sucht mit den psychischen, sozialen Auswirkungen ist zwar immer präsent, aber bestimmt nicht zwangsläufig abendfüllend den lebendigen, offenen Austausch. Ebenso wichtig erscheint uns die Kommunikation über Möglichkeiten einer aktiven, positiven Lebensgestaltung, der  Selbstwertstärkung und des Persönlichkeitsmanagements. Es mangelt uns nicht an Ideen und Methodik, manche Betroffenen aus ihrer Reserve zu locken: Stimmungsbilder, Kurzgeschichten, Presseberichte, themenbezogene Filme usw. animieren zu wertvollen Gesprächen.
Zum Jahresende konnte endlich auch unser in 2-jähriger Arbeit geschaffenes Suchtspiel offiziell fertig gestellt werden; das Ereignisspiel, in dem bis zu 6 Lebensläufe (Spielteilnehmer) vom Kleinkind hin zum Erwachsenen durchlaufen werden, enthält zahlreiche Elemente zur Unterhaltung, zum Nachdenken, zur Bewegung und für Interaktionen zwischen den Teilnehmern. Es beinhaltet ungünstige Suchtverläufe, wie positive Wendungen, Rückschläge und unerwartete oder planbare Fortschritte – am Ende (das Ziel) erreichen jedoch alle eine zufriedene Abstinenz. Jedes Mal wenn wir den Abend einem Probedurchlauf widmeten, kamen wir kaum mehr davon los!
 

Gruppenbegleiterausbildung:
Angelika und Irene vollendeten mit  den restlichen 4 Wochenenden in 2018 ihre Gruppenbegleiter-ausbildung und nutzten jede Gelegenheit, die erarbeiteten Inhalte in der Gruppe umzusetzen. Wir lernten – dank der hervorragenden Referenten - insbesondere den Umgang mit schwierigen Menschen, mit ihren speziellen Problemen bei Suchtbelastung und mit heiklen (Gruppen-) Situationen  kritisch zu beleuchten und bedarfsgerecht zu gestalten. Authentisches Auftreten und persönliche Offenheit gegenüber vielseitigen Lebenskrisen rückte in unser Bewusstsein nach vorne, was in der gesamten Gruppe Vertrauenszuwachs spürbar machte.
 

Fortbildungen, Seminare:
Die Teilnahme an der Landesverbandsveranstaltungen, wie Delegiertenversammlung,der Fachtagung `Offen für alles´  und der Gruppenbegleitertagung  waren für Angelika und Irene praktisch ein MUSS, zumal gerade dort stets nicht nur themenbezogene, sondern v. a. auch aktuelle Fragestellungen diskutiert werden und Hilfestellungen zu finden sind. Außerdem kommt dem bayernweiten Austausch mit den anderen Gruppenbegleitern/innen eine wichtige Bedeutung für die eigene Gruppenarbeit zu.
Auch in diesem Jahr besuchte Irene die `Hochstadter Gespräche´, ein Tagesseminar zum Thema: „die vielen Gesichter der Sucht, Neues aus der Suchtkrankenhilfe“ in der GeBO-Bezirksklinik Hochstadt/ Obfr., mit den Schwerpunkten „Suchterkrankungen im Alter“ und „Angehörigenarbeit in der Sucht-krankenhilfe“. Diese Themen werden auch in den Fachgremien unseres Bundesverbandes diskutiert und finden sich auch in dessen Info-Schriften wieder.  Irene folgte außerdem einer Einladung der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) zum 20-jährigen Jubiläum in Bamberg, bei dem den Festlichkeiten ein Fachvortrag über `regionale Integrationsmöglichkeiten und –hilfen für Menschen mit sozialen, psychischen oder Suchtproblemen´  voran ging. Angelika absolvierte schließlich das 6. Herbstmeeting in Oberasbach mit dem Thema „trockener Rückfall“, eine äußerst praxisbezogene Informationsveranstaltung.
Die Inhalte aller Veranstaltungen bilden einen soliden Sockel für eine seriöse Gruppenarbeit und vermitteln das nötige Hintergrundwissen, um als Anlaufbasis für ratsuchende Betroffene, sowie Angehörige  und sonstige am Thema Sucht Interessierte zu dienen.
 

Regionale Vernetzung:
Der Forchheimer Freundeskreis ist seit diesem Jahr aktives Mitglied in der PSAG = psychosoziale Arbeitsgemeinschaft  in Kooperation mit der Gesundheitsregionplus des Landkreises Forchheim. Dort  bilden Vertreter aller Disziplinen, die für seelische Gesundheit von Menschen mit Beeinträchtigungen aktiv sind, eine Plattform zum aktuellen Austausch und Vernetzung ihrer Aktivitäten: niedergelassene Psychotherapeuten, Psychiater, Kliniker, Richter, verschiedene  Beratungs- und Betreuungsstellen, diverse Selbsthilfegruppen usw…  Angelika und Irene sind bei diesem Konsortium in den beiden Unterausschüssen `Sucht´ und `Öffentlichkeitsarbeit´ involviert. Die PSAG tagt 4 bis 5 x pro Jahr, wobei die Teilnehmer ihre detaillierten Aufgaben und Zielsetzungen vorstellen, die Bündelung  ihrer Aktivitäten und Vernetzungsmöglichkeiten eruieren, die Unterausschüsse in weiteren Sitzungen konkrete Strategien hierfür erarbeiten.
Im Frühjahr beteiligten sich Angelika und Irene am regionalen Treffen der Gruppenbegleiter/ innen Nordbayerns in Schwabach, wo die Fragestellungen „Wie erreiche ich die `mitbetroffenen´ Angehörigen?“  - „Wie gehe ich mitunregelmäßigen Gruppenbesuchern um?“ u.a. aktuelle Themen besprochen wurden. Da dem regionalen Austausch unter verschiedenen Freundeskreisen  große Bedeutung  zukommt, trafen sich die nordbayerischen Gruppenbegleiter/innen  im Herbst noch einmal in Forchheim. 13 engagierte Teilnehmer/innen diskutierten, z. T. anhand der von Irene bereit gestellten Fallbeispiele, insbesondere über probate Lösungsmöglichkeiten schwieriger Gruppensituationen, Methoden abwechslungsreicher Gruppengestaltung bei seriöser Kontinuität, Erfahrungen hinsichtlich regionaler Öffentlichkeitswirksamkeit, sowie über einen effektiveren Austausch mit dem Arbeitskreis Öffentlichkeit (AKÖ) im Landesverband (s.u.).
 

Öffentlichkeitsarbeit, Präsentationen:
Die Forchheimer Gruppe stellte in den Bezirkskliniken GeBO Hochstadt und am Europakanal Erlangen (dort zusammen mit dem FK-Nürnberg) ihre eigene Selbsthilfearbeit und die Ziele der Freundeskreise fürSuchtkrankenhilfe im Allgemeinen vor. Die Gespräche mit den in Therapie befindlichen Suchtkranken erwiesen sich v.a. deshalb als  wertvoll, da wir den Patienten die absolute Verbesserung der Lebensqualität durch dauerhafte Abstinenz authentisch vermitteln konnten. Rege Gesprächsteilnahme und die wiederholt geäußerten Wünsche nach einem Freundeskreis in Wohnortnähe waren für uns ein willkommenes positives feedback.
Am 20.07. nahm der FK-Forchheim am 10. bayernweiten Selbsthilfe-Fachtag Sucht und Gesundheit, Veranstalter: Selbsthilfekoordinationsstelle Bayern (SEKO), Arbeiterwohlfahrt Bayern (AWO), Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, in Bamberg teil. Für das überwiegend aus praktisch tätigen Fachleuten bestehende Publikum waren neben hochkarätigen Fachvorträgen mehrere workshops zu den Themen `Angehörige von Suchtkranken´, `Möglichkeiten der Selbstheilung´ und `die Bedeutung der Selbsthilfegruppen in der Suchtkrankenhilfe´ geboten. Irene präsentierte in 2 workshops jeweils mit einer  powerpoint-Version die Arbeitsweise der Freundeskreise, bzw. das Leitbild und konnte in diesem Rahmen eine engagierte Kommunikation unter den Teilnehmern initiieren (siehe Extrabericht).
In Forchheim organisierte die AWO im Herbst auf dem Paradeplatz den jährlichen Selbsthilfetag, zu dem auch der FK-Forchheim geladen war. Unser optisch eindrucksvoller Informationsstand und ein interaktives Quiz (Irene) über alle Belange von Sucht lockten zahlreiche Interessenten und auch einige Fachleute (Ärzte, Therapeuten) an, die  sich gerne auf sachbezogene Gespräche mit anwesenden Gruppenmitgliedern und Irene (siehe: Extrabericht) einließen. In  nachfolgenden Presseberichten wurden die Besonderheiten der Freundeskreise im Allgemeinen und das  Engagement der Forchheimer Gruppe positiv erwähnt.
 

Sonstiges:
•    Beim Fest für Freunde anlässlich des 40jährigen Jubiläums des Bundesverbandes der Freundeskreise fürSuchtkrankenhilfe am 12.05.2018 in Kassel/ Baunatal vertrat der FK- Forchheim mit einem Info-Stand den Landesverband Bayern. Dort warteten wir mit einem umfangreichen `Bayern-Quiz´ auf, das ca. 200 Gäste zum Mitmachen anregte. Schließlich hatten wir auch attraktive Preise an die erfolgreichen Rater zu vergeben: original fränkische Kräutertees und hausgemachte Fruchtmarmeladen aus dem Allgäu, sowie als Hauptpreis eine original bayerische Käseplatte. Unter dem Motto `Wie erreiche und unterhalte ich eine zufriedene Abstinenz´ kamen bei     dem Fest namhafte Referenten zu Wort, denen es gelang, das Publikum von > 600 Personen durch interaktive Vorträge für einen erfolgreichen und dauerhaften Ausstieg  aus der Suchtkarriere zu begeistern.
•    Irene hat sich bereit erklärt, im Landesverband-AKÖ (Arbeitskreis Öffentlichkeit) mitzuarbeiten. Sie kann insbesondere bei der Pressearbeit unterstützen.
•    Irene nahm an 2 Wochenendkursen für website-Gestaltung vom Bundesverband Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe in Kassel  teil. Mit den erworbenen Grundkenntnissen ist es nun möglich, die homepage des FK-Forchheims in Eigenregie zu pflegen/ aktualisieren.
 

Ausblick und Planungen für 2019:
Auch im laufenden Jahr finden unsere regelmäßigen Gesprächsabende statt. Daneben sind auch Freizeitaktivitäten geplant, zu denen natürlich  unsere Angehörigen und/ oder Freunde eingeladen sind. Es gibt Gelegenheit zur Teilnahme an einem Segelwochenende, einem Museumsbesuch oder einer Besichtigungstour zu fränkischen Saft-Keltereien. Auch das leibliche Wohl wird gepflegt: wir wollen saisonal eine Forchheimer Kellerwirtschaft, ein Speiselokal in `der Fränkischen´(Fränkische Schweiz) und ggf. eine Eisdiele besuchen, oder auch mal grillen, bzw. gemeinsam selbst kochen. Die Termine können telefonisch bei uns angefragt werden.
Wir freuen uns, wenn Menschen mit Suchtproblemen egal welcher Art, Angehörige oder Freunde aus dem Umfeld von Suchtkranken, generell am Thema `Sucht´ Interessierte und/ oder Menschen mit sonstigen Lebensproblemen den Weg zu uns in die Gruppe finden. Wir versprechen KEINE HEILUNG der vorliegenden Erkrankung, KEINE LÖSUNG spezieller Probleme, aber wir versprechen aktuellen BEISTAND in Lebenskrisen, nachhaltige UNTERSTÜTZUNG bei konstruktiven Lösungsstrategien und vielseitige  ANREGUNGEN zur positiven  Lebensgestaltung und zum besseren Gelingen des Selbstmanagements.

Angelika und Irene          Januar 16, 2019