Freundeskreis Forchheim engagiert sich in der Aktionswoche Alkohol 2019

Ein Vortragsnachmittag für Arbeitgeber

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm ruft alle 2 Jahre bundesweit Institutionen und Fachkräfte dazu auf, eine Woche lang besonders intensiv über die `Volksdroge´ Alkohol und die Prävention seines Missbrauchs zu informieren. In diesem Jahr widmet sich sich die Aktionswoche Alkohol vom 18.-26.05.2019 dem Schwerpunktthema "Kein Alkohol am Arbeitsplatz". Das Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unterstützt die Aktivitäten.

Zu diesem Anlass lud die PSAG-Forchheim & Gesundheitsregionplus (Landratsamt Forchheim, Abteilung Gesundheitswesen) Unternehmen aus Stadt und Region Forchheim am 21.05.2019 zu einem Informationsnachmittag mit drei Fachvorträgen ein:

Wolfgang Herion, Suchtbeauftragter eines großen Unternehmens, referierte über die unterschiedlichen Problemfelder bei Alkohol oder anderen Suchtmitteln in Betrieben und die rechtlichen Hintergründe. Es wurden die weitreichenden Konsequenzen für den laufenden Betrieb und die Wirtschaftlichkeit einer Firma dargestellt, wenn Arbeitnehmer unter Suchtmittelmissbrauch ihren Dienst unzureichend versehen, insbesondere bei der Bedienung von Maschinen oder Fahrzeugen. Sie büßen nicht nur ihre Leistungsfähigkeit ein, sondern können sich und/ oder Arbeitskollegen unmittelbar in gesundheitliche Gefahr bringen. Der Arbeitgeber muss neben arbeitsrechtlich möglichen Abmahnungen bis hin zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses vor allem seine Fürsorgepflicht gegenüber dem betreffenden Arbeitnehmer wahrnehmen. Er muss sicher stellen, dass ein offensichtlich unter Suchtmitteln stehender Arbeitnehmer unverzüglich und ohne jegliches Gesundheitsrisiko vom Arbeitsplatz/ Firmengelände in entsprechende Obhut gebracht wird. Im Wiederholungsfall hat die Unternehmensleitung Möglichkeiten einzuräumen, dass ein suchtmittelkranker Arbeitnehmer eine adäquate Therapie wahrnehmen kann, mit dem Ziel der Erhaltung des Arbeitsplatzes nach erfolgreicher Rekonvaleszenz.

Nicole Kupfer, Leiterin der Suchtberatungsstelle/ Caritas Forchheim, referierte über die Erkennung einer Abhängigkeitserkrankung und die fachliche Begleitung von Betroffenen. Längst nicht alle Personen mit riskantem und/ oder missbräuchlichen, krankhaften Konsum von suchtgefährdenden Substanzen finden den Weg in die Beratungsstelle. Neben den medizinischen Anlaufstellen zeigt die Suchtberatungsstelle im Rahmen des umfangreichen Suchthilfesystems Forchheim für die nach Abstinenz strebenden Patienten weitere verschiedene Beratungs- und Betreuungsstellen, Hilfsmöglichkeiten z.B. bei Führerscheinverlust, sowie Therapieeinrichtungen auf. In der Suchtberatungsstelle findet auch die professsionelle Nachsorge für Patienten nach einer erfplgreichen Entwöhnungstherapie statt.

Irene Braun, Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Forchheim, weist in ihrem Referat darauf hin, dass Abhängigkeitserkrankte durch regelmäßige Besuche von Selbsthilfegruppen ihre Chance auf eine dauerhafte Abstinenz erhöhen, wie wissenschaftliche Studien eindeutig belegen. Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe begegnet dem Suchtproblem als ein weitreichendes Familienproblem und begleitet daher auch sog. `Mitbetroffene´ aus dem gesamten Lebensumfeld der Abhängigen. Vorwiegend gilt es, bei den Betroffenen einen Umdenkprozess im Umgang mit suchtrelevanten Stoffen zu initiieren, die Muster des eigenen Suchtverhaltens zu analysieren und zu ändern, um eine neue Lebenseinstellung zu entwickeln: Wertgewinn durch suchtmittelfreies Leben. Ziele der Selbsthilfegruppe sind insbesondere die psychische Selbststärkung des Einzelnen, (Wieder)Entdecken und Ausbauen von Ressourcen, sinnvolle Alltags- und Freizeitgestaltung, Freude am Leben zu manifestieren, kurz: eine langfristige, zufriedene Abstinenz zu erreichen. Suchttypische Schwierigkeiten und Konflikte in Familie, Alltag und Beruf, sowie das Problem von Rückfällen werden behutsam und integrativ diskutiert; dabei können die Gruppenmitglieder intensiv zu konstruktiver und resilienter Lebensbewältigung beitragen. Diese Ansätze zur Stärkung einer positiven Lebensqualität finden sich auch bei anderen Selbsthilfebverbänden wieder, wie z.B. dem Kreuzbund oder den Guttemplern.

Da dem Thema "Suchtmittel am Arbeitsplatz" essentielle Bedeutung zukommt, wird die PSAG & Gesundheitsregionplus den Betrieben in Forchheim und der Region zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen Informationsnachmittag anbieten.

Irene Braun

 

10. bayerischer Suchtselbsthilfetag in Bamberg

Am 20.07.2018 gestaltete der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe den 10. bayerischen Sucht-Selbsthilfefachtag in Bamberg mit. Die Veranstaltung wurde organisiert von der SEKO (Selbsthilfekoordinationsstelle)- Bayern in Zusammenarbneit mit der AWO-Bamberg,  der KVB (kassenärztlichen Vereinigung)- Bayern und dem Bayerischen Gesundheitsministerium für Gesundheit und Pflege. Die Hauptzielgruppe waren ca. 120 Vertreter/innen von suchtspezifischen Beratungs- und Therapieeinrichtungen.

Neben weiteren Suchthilfeverbänden präsentierte die Selbsthilfegruppenleiterin Forchheim, Irene Braun, in zwei workshops das Leitbild und die besonderen Vorgehensweisen des Freundeskreises. Es wurde deutlich gemacht, dass nicht das Suchtmittel im Vordergrund steht, sondern das Wohlergehen der Menschen nach einem abhängigkeitsgeprägten Leben. Die Bemühungen des Freundeskreises zielen darauf hin, das Leben neu zu arrangieren, weiter zu entwickeln und zu lernen, dass man ohne Suchtmittelmissbrauch, also abstinent zufrieden leben kann. Es wird der `ganze´ Mensch gesehen eingebettet in ein kompliziertes Lebensgefüge Familie - Beruf - Freizeit, das es nach einer `Suchtkarriere´ sinnvoll neu zu gestalten gilt. Im Mittelpunkt des Selbsthilfebestrebens stehen der pflegliche Umgang mit sich selbst, Stärkung des Selbstwertgefühls und der Selbstachtung und die Entwicklung individueller Strategien zur Problembewältigung im Alltag. Dieser ganzheitliche Ansatz der Suchtselbsthilfe, sowie die Offenheit für alle Menschen mit unterschiedlichen Süchten und die Menschen aus deren Umfeld sind Alleinstellungsmerkmale der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, die sich in bayernweit ca. 26 Selbsthilfegruppen ehrenamtlich engagieren.

Irene Braun